Alles digital oder was? Beständig ist nur der Wandel

Aktuelle Telekommunikations-Trends – 1. Teil

27. Juli 2018

Ruhige Zeiten – wer so etwas sucht, der ist in der ITK-Branche falsch. Trends kommen und gehen oder werden zum selbstverständlichen Bestandteil des Lebens. Manche Innovationen wälzen Märkte um, andere führen wiederum nicht zum Durchbruch, bringen aber dennoch Neuerungen hervor. Ein zweiteiliger Beitrag beleuchtet die aktuellen Trends in der ITK-Branche.

Die Geschwindigkeit, in der Ingenieure und Techniker Innovationen hervorbringen, lässt sich am Beispiel Mobilfunk verdeutlichen. Noch vor zwanzig Jahren war der Besitz eines Mobiltelefons alles andere als eine Selbstverständlichkeit; erst 17 Prozent der Deutschen hatten 1998 einen Mobilfunkanschluss in einem der GSM-Netze. Heute verwalten die Netzbetreiber in Deutschland bereits 163 Mobilfunkanschlüsse pro 100 Bewohner. Das heißt, dass statistisch gesehen jeder 1,6 SIM-Karten besitzt. Schon jetzt ist klar, dass auch die aktuelle vierte Mobilfunkgeneration (LTE) das Wachstum und den steigenden Bedarf an Bandbreite und Datengeschwindigkeit nicht lange wird befriedigen können. Deshalb arbeiten die Unternehmen schon jetzt an den Voraussetzungen und technischen Grundlagen für die Einführung der fünften Generation.

Wichtigster Telekommunikations-Trend 5G – Auktion erst 2019

Das ist für diejenigen, die die Netze in Deutschland bauen und betreiben wollen, nicht ganz einfach. Schien es bis vor kurzem noch ausgemachte Sache zu sein, dass die Auktion für die 5G-Lizenzen in Deutschland im Herbst dieses Jahres über die Bühne gehen wird, stellt sich die Lage nun anders dar. Weil viele Unternehmen ihr Interesse am Erwerb einer 5G-Lizenz bekundet haben, möchte die Bundesnetzagentur erst über die Vergabebedingungen und Auktionsregeln entscheiden, wenn sie die „interessierten Kreise“ angehört hat. Sie rechnet damit, dass sie bis Ende 2018 den Kriterienkatalog erstellt haben wird. Das bedeutet, dass die Auktion für die in Frage kommenden Frequenzen bei 2 Gigahertz und 3,6 Gigahertz nicht vor Frühjahr 2019 erfolgen kann.

Neben bundesweiten Frequenznutzungsrechten, die versteigert werden sollen, wird die Bundesnetzagentur Frequenzen auch zur lokalen und regionalen Nutzung bereitstellen. Sie sind für autarke, lokale Funknetze für Anwendungen in der Industrie, in Gemeinden und in der Forst- und Landwirtschaft gedacht. Auch hierfür arbeitet die Bundesnetzagentur die Vergaberegeln erst noch aus.

Während andere Länder, beispielsweise Großbritannien, die Lizenzen bereits versteigert oder wie Frankreich die Vergabe geregelt haben, verharren die Interessenten hierzulande im Wartestand. Wie sich das auf den Start der neuesten Mobilfunkgeneration auswirken wird, für die die Hardware ohnehin frühestens 2020 praxistauglich sein wird, bleibt abzuwarten. Käme es allerdings zu einer längerfristigen Verzögerung, könnte sich das negativ auf andere Innovationen auswirken.

Damit zumindest die Integration der bestehenden Infrastruktur in die kommende Mobilfunkgeneration mit ihrer immens hohen Bandbreite nicht zu Verzögerungen führt, schließen die Netzbetreiber ihre Mobilfunkstandorte mit Glasfaser an. Telefónica will diesen Ausbau beschleunigen und hat dafür Kooperationsverträge mit NGN FIBER NETWORK und Vodafone geschlossen.

Selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen

Selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen

Von der Verfügbarkeit schneller Mobilfunknetze mit hoher Kapazität und geringen Latenzzeiten für Echtzeitanwendungen hängen weitere zukunftsträchtige Lösungen ab. Beispielsweise sind autonom oder teilautonom fahrende Fahrzeuge auf eine schnelle, zuverlässige Funkversorgung mit geringer Latenzzeit für Echtzeitübertragungen angewiesen.

Ungeachtet der offenen Netzfrage weiten Automobilhersteller, Zulieferer und andere Technologiekonzerne wie Google ihre Tests aus.

So erhielt BMW jüngst als erstes ausländisches Unternehmen die Genehmigung, seine selbstfahrenden Autos in Shanghai auf einer fast sechs Kilometer langen Strecke zu testen, die über öffentliche Straßen führt.

Auch in Deutschland rollen autonome Fahrzeuge bereits im normalen Straßenverkehr mit – beispielsweise auf der A9 in Bayern. Erst Ende April gab Continental bekannt, dass das Unternehmen die Tests mit selbstfahrenden Autos jetzt auch auf Autobahnen in Niedersachsen durchführt und mittelfristig dort sogar auf Landstraßen unterwegs sein möchte. Letztere gelten wegen des möglichen querenden Verkehrs für die Entwickler als anspruchsvoller als Autobahnen. In Karlsruhe wiederum wurde Anfang Mai das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg (TAF BW) eröffnet. Dort können Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen Technologien und Dienstleistungen rund um das vernetzte und automatisierte Fahren im alltäglichen Straßenverkehr erproben. Die Betreiber wollen dabei aber nicht nur Konzepte für den autonomen Individualverkehr erarbeiten, sondern einen Schwerpunkt auf den öffentlichen Nahverkehr und Nutzfahrzeuge, beispielsweise für den Zustellservice und die Straßenreinigung, legen.

Telemedizin: per Video zum Arzt

Telemedizin: per Video zum Arzt

Nicht nur beim Autofahren erhalten Menschen immer mehr technische Unterstützung. Auch Ärzte und Kranke sollen bald stärker von der modernen Kommunikationstechnik profitieren. Vor wenigen Wochen hat der Deutsche Ärztetag den berufsrechtlichen Weg für die ausschließliche Fernbehandlung von Patientinnen und Patienten geebnet. Wird der Beschluss in die Praxis umgesetzt, können Ärzte Fernbehandlungen und -beratungen anbieten, für die die Patienten nicht eigens in der Praxis erscheinen müssen.

Weil Videokommunikation dabei voraussichtlich eine entscheidende Rolle spielen wird, müssen viele Ärzte dafür möglichst bald die technischen Voraussetzungen schaffen und für eine breitbandige Internet-Anbindung der Praxen sorgen.

DSGVO rückt Datenschutz in den Mittelpunkt

DSGVO rückt Datenschutz in den Mittelpunkt

Eine andere Voraussetzung für die telemedizinischen Innovationen ist eine hohe Sicherheit für den Schutz der persönlichen Gesundheitsdaten der Patienten. Das ist für die Patienten zur Wahrung der Vertraulichkeit wichtig, für die Ärzte als Schutz vor möglichen Regressansprüchen. Sollten Daten wegen eines fahrlässigen Umgangs in die Hände Dritter geraten, könnten sie seit dem Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 mit empfindlichen Geldstrafen belegt werden, falls sie die Vorgaben der Europäischen Kommission missachtet haben.

Überhaupt bleibt Cybersecurity auch für 2018 und wahrscheinlich sogar über viele Jahre hinaus das beherrschende Thema. Der Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden Anfang des Jahres hat dies wieder einmal plakativ vor Augen geführt. Wenn nicht einmal die zuvor als bestens geschützt geltende Staats-IT vor Einbrüchen sicher ist, wie muss es dann erst um andere Netzwerke bestellt sein? Schlecht, sagen Sicherheitsexperten von Fireeye: Vor allem der Finanzsektor ist im Visier der Hacker und steht als Angriffsziel noch vor den Regierungen und dem Dienstleistungssektor. Erschreckend ist, dass die erfolgreich attackierten Organisationen in Europa, Mittlerem Osten und Afrika (EMEA) im Durchschnitt ganze 175 Tage brauchten, bis sie einen Einbruch in ihr Netzwerk überhaupt bemerkten und darauf reagieren konnten.

Abhilfe bei der Detektion von Angriffen könnten aber bald Lösungen bringen, die sich der Künstlichen Intelligenz und Big-Data-Analysen bedienen. Letztere sind nämlich nicht nur geeignet, in den Datenbeständen der Industrie und des Gesundheitswesens bislang verborgene Zusammenhänge aufzudecken, die man gewinnbringend oder wissenserweiternd einsetzen kann. Big Data hat das Potenzial, auch bei der Abwehr von Sicherheitsbedrohungen gute Dienste zu leisten und mögliche Anomalien im Netzwerk schneller zu detektieren und die Ursache zu lokalisieren.

Kontaktpflege per Kurznachrichtendienst

Auch für die Privatnutzer spielt Datenschutz und -sicherheit eine zunehmend wichtige Rolle. Sie müssen ihre Computer und Smartphones schützen und auch ein Augenmerk auf Router, Drucker und andere ans Internet angeschlossene Geräte legen. So wurde im vergangenen Jahr ein großangelegter Hackerangriff publik, der sich unter anderem schlecht gesicherte Router zu Nutze machte.

Vielleicht haben Vorfälle wie dieser das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung bereits geschärft. Denn wie der Bitkom herausfand, schauen Viele sogar bei der Auswahl ihrer Messenger-Anwendung auf das Thema Sicherheit. Neun von zehn Internetnutzern kommunizieren mit Freunden, Bekannten und Verwandten über WhatsApp, Skype, iMessage, Telegram, Threema oder ähnliche Apps. Dabei geben 92 Prozent von ihnen an, dass die Datenschutz-Richtlinie des Anbieters für ihre Entscheidung wichtig oder sogar sehr wichtig ist. 90 Prozent legen Wert auf den datenschutzrechtlichen Umgang des Anbieters mit ihren persönlichen Daten und 87 Prozent auf die Datensicherheit der Kommunikation, etwa durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Moderner Arbeitsplatz für Work-Life-Balance

Moderner Arbeitsplatz für Work-Life-Balance

Ein weiteres Entscheidungskriterium bei der Wahl des Messenger-Dienstes ist laut Bitkom, ob die Kollegen die Anwendung installiert haben oder nicht. Immerhin 61 Prozent beziehen das in ihre Entscheidung ein und geben damit einen Hinweis, wie sich die berufliche Kommunikation wandelt, und dass sich der Arbeitsplatz selbst verändert. Die Begriffe ‚Modern Workplace‘ oder ‚New Work‘ beschreiben Arbeitsplätze, die die hohe Mobilität der Mitarbeiter berücksichtigen und auch deren Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben erfüllen wollen.

Enabler hierfür sind Cloud-Dienste, virtuelle Telefonanlagen, smarte mobile Endgeräte und umfassende Kommunikations- und Conferencing-Anwendungen, die auch soziale Medien einbinden. Firmen oder Selbständige, die für die Festnetzkommunikation noch ISDN-Anlagen nutzen, sollten die baldige Abschaltung des ISDN-Dienstes dazu nutzen, ihre Arbeitsplätze grundlegend zu erneuern und zukunftssicher zu machen.


 

Lesen Sie im zweiten Teil des Trend-Artikels, was die bevorstehende Abschaltung von ISDN bedeutet und warum All-IP die Lösung der Zukunft ist, wie Künstliche Intelligenz das Wohnumfeld verändert und für Aufschwung in der deutschen Wirtschaft sorgt, wie moderne Mobilfunktechnik das Internet der Dinge befeuert, warum Blockchain-Technologie die Versicherungswirtschaft und das Finanzwesen revolutionieren kann und warum Innovationen nicht immer nur mit Technologie zu tun haben.

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