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Blockchain – mehr als digitales Geld

23. Januar 2019

Wikipedia hält die Blockchain lediglich für „eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen“; doch in der allgemeinen Wahrnehmung steht die Vokabel für mehr: Die einen halten die Technologie für eine Lizenz zum Gelddrucken, die anderen sehen darin einen vollwertigen Ersatz für notarielle Beglaubigungen, konventionelle Zertifikate oder staatliche Register. Für Unternehmen ergeben sich daraus interessante Möglichkeiten.

Als der Bitcoin-Kurs Ende 2017 zu seinem Höhenflug ansetzte, wurde die Blockchain zum Synonym für Kryptogeld – und weckte viele Begehrlichkeiten. Seit der Bitcoin-Kurs seinen Höchststand eingebüßt hat und dramatische Einbrüche hinnehmen musste, ist die Goldgräberstimmung verflogen. Doch für Unternehmen bleibt die Blockchain, die technische Basis des Bitcoin, weiterhin eine wichtige und interessante Technologie. Die Blockchain ist ein sogenannter Distributed Ledger, also ein dezentrales Kassenbuch. Es eignet sich für viele Transaktionen, für die sonst ein Vermittler oder eine Kontrollinstanz – zum Beispiel eine Bank, ein Makler oder ein Notar – gebraucht wird. Davon können Konzerne ebenso profitieren wie Kleinunternehmer und Verbraucher.

Manipulationssichere Transaktionen

So waehlen Sie richtig

Technisch gesehen ist die Blockchain eine über ein Peer-to-Peer-Netzwerk verteilte Datenbank, die sämtliche Transaktionen speichert, die die Netzwerk-Teilnehmer miteinander durchführen. Jede Transaktion generiert einen neuen Eintrag (Block), der mit der bereits bestehenden Informationskette fest und unveränderbar verknüpft wird. Das Besondere: Da alle diese Blöcke allen am Netzwerk Beteiligten zugänglich und damit kontrollierbar und manipulationssicher sind, wird ein Intermediär überflüssig.

Weil die Blockchain-Technologie so komplex wie ihr wirtschaftliches Potenzial groß ist, ermutigt Markus Rolle, Finanzvorstand von Telefónica Deutschland, Unternehmen „auch kleine Schritte zu machen, neue Wege zu gehen und Pionierarbeit zu leisten“. Das hat sein eigenes Unternehmen gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die DZ BANK AG zu Beginn des Jahres 2018 getan. Zusammen setzten sie ein Schuldscheindarlehen auf, von dem ein signifikanter Teil über die Blockchain begeben wurde. Das Projekt wurde zu einer gelungenen Premiere auf dem Schuldscheinmarkt: Die Blockchain-Tranche war dreifach überzeichnet und wurde von 50 Millionen Euro auf 75 Millionen Euro aufgestockt. Dabei wurde erstmals im Schuldscheinsegment eine zweistellige Zahl von Investoren an die Blockchain angebunden.

Bitcoins für die Kaffeepause

Drei Möglichkeiten

Eine innovative Bezahlform der PEY GmbH aus Hannover macht im Kontrast dazu die große Bandbreite des Geldtransfers via Blockchain deutlich. Mit der PEY-App überträgt der Nutzer keine Millionenbeträge, sondern begleicht seine Rechnung in Geschäften, Restaurants oder Cafés. Weil PEY-Geschäftsführer Ricardo Ferrer Rivero Transaktionen über Bitcoin für sinnvoll, den Kauf der Cyberwährung aber für zu aufwendig hielt, entwickelte er mit seinem Start-up das unkomplizierte, Smartphone-basierte Bezahlsystem PEY. Man kann es überall nutzen, wo ein kostenloses PEY-Bezahlterminal installiert ist. Die Terminals gewährleisten per WLAN oder per Mobilfunk über eine integrierte Global SIM Vivo-O2-Movistar jederzeit eine stabile Datenverbindung.

Wenngleich die Blockchain für Transaktionen mit virtuellen Zahlungsmitteln wie geschaffen scheint, bietet sie noch viel mehr Möglichkeiten. Denn aufgrund ihrer dezentralen Struktur ist die Technologie in hohem Maße manipulationssicher. Jeder Teilnehmer des Netzwerks besitzt eine Kopie der kompletten Blockchain und hat so den Überblick über die gesamte Historie aller bestätigten Transaktionen. Eine unbefugte Änderung in einer einzelnen Kopie würde beim automatisch ablaufenden Abgleich schnell entdeckt werden. Das macht sich eine von Bosch entwickelte Anwendung zunutze, die den Kilometerstand eines Fahrzeugs mit einem Connectivity-Device regelmäßig ausliest und in einer Blockchain speichert. Solch ein digitales Fahrtenbuch soll künftig den Tachobetrug eindämmen, der beim Handel mit Gebrauchtwagen jährliche Schäden in Milliardenhöhe verursacht.

Rückverfolgbare Lieferketten

Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf das Supply-Chain-Management übertragen: Weil Lieferketten lang und unübersichtlich sind, kommt es immer wieder zu Lebensmittelskandalen. Denn der Grenzübertritt von Importwaren, die Übergabe vom Lieferanten an den Zwischenhändler oder Anpassungen von Verträgen sind häufig mit Medienbrüchen verbunden – und bieten damit Gelegenheiten für Manipulationen. So wurden bereits mit Pestiziden behandelte Früchte als Bioware ausgezeichnet oder Gammelfleisch als frisch umetikettiert. Im durchgehenden Datenfluss einer Blockchain wären unbemerkte Eingriffe unmöglich und die Sicherheit und Qualität der Waren garantiert. Genauso kann man mit einer Blockchain-Lösung die gesamte Lieferkette von Anfang bis Ende manipulationssicher rückverfolgbar machen.

Die Funktionalität von Blockchain-Anwendungen lässt sich mit Smart-Contracts noch vergrößern. Es handelt sich dabei um Programme, die Handlungen anstoßen, sobald die in dem digitalen Vertrag festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Solche Smart-Contracts werden ebenfalls unveränderlich in der Blockchain abgelegt. Versicherungen wollen damit unter anderem ihre Schadensregulierung beschleunigen. Ein Beispiel dafür ist die von AXA angebotene Versicherung gegen Flugverspätungen. Der Versicherungsnehmer braucht lediglich seine Flugdaten auf einer Webseite von AXA zu hinterlegen und wird automatisch bereits bei der verspäteten Landung seines Flugs über die Höhe seiner Entschädigung informiert. Und ganz gleich, ob die Auszahlung in Bitcoin oder aufs Girokonto erfolgt: Die Blockchain-Technologie gewährleistet auch hier, dass der Prozess transparent, effizient und sicher ist.

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