Hallo Welt! Eine Reise durch die Geschichte des Internets

15. Mai 2018

Ein Leben ohne Internet? Für viele ist das unvorstellbar. Dabei ist die Idee, die dem Netz der Netze zum Durchbruch verhalf, noch keine 30 Jahre alt. Das Internet hat eine rasante Entwicklung hinter sich, während der es sich vom Forschungsnetzwerk für wenige zur unverzichtbaren Informations- und Kommunikationsinfrastruktur für die ganze Welt wandelte.

Fast 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland nutzt das Internet und verbringt im Durchschnitt täglich 149 Minuten im weltweiten Netzwerk. Und um miteinander in Kontakt zu bleiben, posten die Deutschen unzählige Mitteilungen in den sozialen Medien und werden in diesem Jahr voraussichtlich 918 Milliarden E-Mails verschicken.

Schon diese wenigen Zahlen zeigen, welch große Bedeutung das Internet für unser aller Leben hat. Die meisten aus den jüngeren Generationen können sich vermutlich nicht einmal vorstellen, wie sich ein Leben ohne digitales Netz anfühlt oder gar gemeistert werden kann. Sie sind seit ihrer Kindheit mit dem World Wide Web vertraut, das auf eine 1989 und 1990 veröffentlichte Idee des damaligen CERN-Mitarbeiters Tim Berners-Lee zurückgeht. In einem Papier mit dem Titel „Information Management: A Proposal“ skizziert er ein Konzept für einen netzwerkbasierten Informationsaustausch für das internationale Forschungszentrum CERN, das später als Blaupause für das World Wide Web dienen sollte.

Geschichte des Internets - Statistiken

Berners-Lee hatte erkannt, dass die bis dato genutzten linearen, hierarchisch aufgebauten Informationsarchive für eine derart dynamische Organisation wie das CERN nicht ideal waren. Er schlug in seinem Papier ein System vor, das Dokumente mit Hyperlinks untereinander verbindet und Informationen miteinander verknüpft. So sollte das umfangreiche und permanent wachsende Wissen der immer wieder neu zusammengesetzten Forschungsgruppen schnell und einfach verfügbar gemacht werden. „CERN ist momentan mit Herausforderungen konfrontiert, vor denen bald auch die ganze Welt steht“, schrieb Berners-Lee vorausschauend. Er sollte Recht behalten, wie der Erfolg des World Wide Web zeigt, das auf seine Ideen zurückgeht.

Heute steht das World Wide Web (WWW) weithin als Synonym für Internet, obwohl das WWW genau genommen nur eine der vielen Möglichkeiten ist, das Internet zu nutzen – weitere sind E-Mails, soziale Medien, FTP und Dateiübertragungen per FTP, um nur einige zu nennen.

Das Internet selbst ist ein Verbund von eigentlich unabhängigen Computernetzwerken, die untereinander Daten über normierte Internetprotokolle (TCP/IP) austauschen. Jeder beteiligte Rechner ist mit jedem anderen im Internet verbunden.

Als Keimzelle des heutigen Internets gilt das ARPANET, das Computernetzwerk der US-amerikanischen Advanced Research Projects Agency (ARPA). Die ARPA entstand 1957, nachdem die UdSSR Sputnik als ersten Satelliten ins Weltall geschossen hatte. Heute firmiert sie unter der Bezeichnung DARPA – das D steht für Defense und macht die militärische Ausrichtung deutlich. Die Agentur selbst führt keine Projekte durch, sollte aber die militärischen und zivilen Forschungseinrichtungen koordinieren, um den Entwicklungsrückstand der USA zur UdSSR aufzuholen. Hierzu verknüpfte das ARPANET 1969 die ersten vier Rechnerknoten der University of California Los Angeles, des Stanford Research Institute, der University of California Santa Barbara und der University of Utah miteinander.

Wie das heutige Internet war das ARPANET dezentral organisiert und übertrug die Daten in einzelnen Paketen (Paketvermittlung), wenngleich das frühe Computernetzwerk noch andere Protokolle verwendete. Die Informationen werden dabei nicht mehr über eine Leitung übertragen, die exklusiv für die Übertragung zwischen Sender und Empfänger geschaltet und reserviert wird. Vielmehr werden sie aufgeteilt in kleine Pakete, die unabhängig voneinander durch das Netzwerk zum Empfänger transportiert und erst dort wieder in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Bei diesem Transport werden alle Pakete unabhängig von ihrem Inhalt gleich behandelt (Netzneutralität). Der Vorteil der Paketvermittlung: Der Datendurchsatz in den Netzwerken erhöht sich, die Verbindungen können effizienter genutzt werden, da die exklusive Reservierung für eine einzelne Übertragung entfällt. Die Paketvermittlung bildet bis heute die Grundlage für die meisten Computernetzwerke.

Anfang der 1970-er Jahre erfolgte erstmals eine Verbindung des ARPANET mit einem anderen Rechnernetzwerk, was zum ersten ‚inter-networking‘ führte. Das ARPANET, das 1983 auf das TCP/IP-Protokoll umgestellt wurde, wuchs schnell und umfasste 1984 bereits mehr als 1000 Rechner. Es wurde offiziell erst 1990 abgeschaltet und ging endgültig im Internet auf.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Erfolgsweg des Internets war die Erfindung des Domain Name System (DNS) im Jahr 1984. Seit der Einführung dieses Verzeichnisdienstes lassen sich Computer mit einfach zu merkenden Domainnamen anstatt mit komplizierten, bis zu zwölfstelligen IP-Adressen ansprechen. Möchte ein Nutzer beispielsweise die Webseite von Telefónica in Deutschland aufrufen, gibt er www.telefonica.de in die Adresszeile des Browsers ein. Ein DNS-Dienst sucht daraufhin in einer Datenbank nach der zugehörigen IP-Adresse und leitet die Anfrage an den richtigen Rechner im Internet weiter.

Eine andere entscheidende Neuerung war die Programmierung von Webbrowsern, die Webseiten im World Wide Web darstellen können. Mit NSCA Mosaic, den es 1993 erstmals als Windows-Version gab, gelang wegen seiner grafischen Nutzeroberfläche der Durchbruch für diese Technik. Er steigerte die Popularität des WWW sprunghaft, da er auch computertechnisch weniger beschlagenen Anwendern den Zugang zu den Informationen des WWW ermöglichte.

Schätzungen gehen davon aus, dass das Internet heute weltweit rund 3,5 Milliarden Menschen erreicht – und doch stellen Menschen bei der Internetnutzung nicht die Mehrheit. Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts Gartner waren Ende 2016 circa 5 Milliarden Geräte ans Internet angeschlossen. 2020 werden es, wenn die Prognosen der Analysten zutreffen, 20 Milliarden Sensoren, Steuerungselemente und Maschinen sein. Dieses sogenannte Internet der Dinge stellt neue Herausforderungen an die Infrastruktur – die Entwicklung des Internets ist also noch lange nicht am Ende.

Überblick: Wichtige Stationen der Internetgeschichte

Geschichte des Internets - Überblick wichtige Stationen
  • 1969 – Die ARPA verknüpft die Computernetzwerke in vier US-amerikanischen Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander.
  • 1974 – Vermutlich verwendet die Networking Control Group in der Spezifikation des Transmission Control Program TCP erstmals den Begriff „Internet“.
  • 1983 – Das ARPANET wird auf die Protokollfamilie TCP/IP (TCP über das Internetprotokoll) umgestellt.
  • 1984 – Das Domain Name System (DNS) wird eingeführt.
  • 1989 – Tim Berners-Lee veröffentlicht seine Ideen, die Grundlage des World Wide Web werden.
  • 1990 – Das ARPANET wird außer Betrieb genommen.
  • 1993 – Mit NCSA Mosaic wird der erste Web-Browser mit grafischer Oberfläche verfügbar.
  • 1994 – Die Zahl der kommerziellen Nutzer des Internets übersteigt erstmals die der wissenschaftlichen Nutzer.
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