Immer mehr Systeme und Anwendungen werden intelligent

18. Februar 2019

Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning werden von vielen Experten als die großen Wachstumstreiber für die kommenden Jahre angesehen. Industrielle Anwendungen sind jedoch nach wie vor rar. Gleichzeitig entwickeln sich im Consumer-Markt gerade die mit KI versehenen Sprachassistenten zum Erfolgsmodell und dringen zunehmend in den professionellen Bereich vor.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC geht in einer Studie aus dem ersten Halbjahr 2018 davon aus, dass die deutsche Wirtschaft bis 2030 allein aufgrund des Einsatzes von KI um mehr als elf Prozent wachsen wird und beziffert das deutsche KI-Potenzial für diesen Zeitraum auf 430 Milliarden Euro. Am stärksten profitieren demnach Gesundheitsbranche und Automobil-Industrie von dieser Entwicklung, gefolgt von Finanzwesen und Transport- und Logistiksektor.

Momentan allerdings sind KI-Anwendungen in der Industrie noch eher eine Besonderheit. Doch einige Projekte und Forschungsergebnisse lassen aufhorchen. Viele davon stammen aus dem Umfeld der Arbeit an autonomen Fahrzeugen, die sich selbstständig durch den Verkehr schlängeln. In diesem Bereich kommt es vor allem darauf an, dass intelligente Systeme Verkehrssituation, Beschilderungen und Markierungen richtig erkennen und interpretieren. Dabei ist unter anderem eine zuverlässige Bilderkennung gefragt, welche die Bilder der verschiedenen Kameras des Fahrzeugs korrekt auswertet und dabei am besten auch lernfähig ist.

Intelligente Erkennung von Symptomen

Die Erkennung von Bildern und Mustern ist u.a. in der Medizin relevant.

Aber auch andere Branchen konzentrieren sich derzeit im Zusammenhang mit KI und Machine Learning vor allem auf die Erkennung von Bildern und Mustern. So arbeitet die britische Google-Tochter DeepMind am Moorfields Eye Hospital in London an einer computergestützten, selbstständigen Diagnose von Augenkrankheiten wie grünem Star oder diabetischer Retinopathie. Die Entwickler hatten sie zuvor mit 997 sehr präzisen Tomographie-Aufnahmen und den Diagnosen von acht Ärzten trainiert. Ähnliche Forschungen laufen derzeit im Bereich der Krebsdiagnose.

Das erst 2016 gegründete Hamburger Unternehmen Cargonexx hat ein intelligentes System für die Vermittlung von Frachttransporten entwickelt. Auf seiner Website kann ein Spediteur angeben, welche Fracht er wann und wohin transportieren möchte. Cargonexx berechnet dann auf Basis der Analyse von hunderttausenden anderen Transporten und unter Berücksichtigung von Staus, Baustellen, Kraftstoffpreisen und Wetter einen Preis. Dabei lernt es mit jedem Abschluss dazu, wie die Preise zustande kommen und berücksichtigt diese Erkenntnisse bei zukünftigen Vermittlungen.

Vorausschauende Wartung

Die Einsatzmöglichkeiten vorausschauender Wartung sind vielfältig.

Ein weiterer großer Anwendungsbereich für KI-Systeme ist die vorausschauende Wartung, Predictive Maintenance, also die Analyse von Sensordaten für die Vorhersage notwendiger Wartungen an Maschinen und Systemen. So hat die INDtact GmbH aus Würzburg ein Messgerät für Vibrations-, Schwingungs- und akustische Emissionsanalysen vorgestellt. Es verfügt über Körperschallsensoren, mit denen sich die Schwingungsdaten einer Maschine aufzeichnen lassen. 

Ändern sich die Schwingungsinformationen, lässt das Rückschlüsse auf den Verschleiß zu. Ein entsprechend trainiertes KI-System kann dann einen Termin für die nächste Wartung vorschlagen. Andere Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz für die Analyse von Netzwerkproblemen oder, wie der Energiedienstleister Hansewerk, um Störungen und Ausfälle im Stromnetz erkennen und vorhersagen zu können.

Spracherkennung nimmt an Bedeutung zu

Neben der bereits erwähnten Bild- ist die Spracherkennung eines der großen Einsatzgebiete für KI-Systeme. Vor allem seit Amazon mit seiner Alexa-Technologie und den Endgeräten aus der Echo-Reihe große Verkaufserfolge feiert – laut eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits 100 Millionen Geräte mit integriertem Alexa-Assistenten verkauft –, denkt die Industrie zunehmend über eigene Nutzungskonzepte für die Technik nach. Ursprünglich hat Amazon Alexa entwickelt, um seinen Kunden die Möglichkeit zu geben, einfach per Sprachbefehl Produkte zu ordern. Doch glaubt man den Angaben des amerikanischen Medienunternehmens The Information, hat sich die Hoffnung auf steigende Umsätze für Amazon nicht erfüllt. Laut inoffiziellen Zahlen sollen aktuell nur etwa zwei Prozent der Nutzer von Alexa das System schon einmal für Warenbestellungen eingesetzt haben.

Nicht zuletzt seit Alexa ist Spracherkennung ein wichtiges Konzept der KI.

Doch davon lassen sich viele Unternehmen nicht abschrecken. So hat die Online-Bank Comdirect im Juli 2018 ein System vorgestellt, mit dem ihre Kunden über den Alexa-Konkurrenten Google Assistant sprachgesteuert Überweisungen in Auftrag geben können, und zwar nach dem Schema „Überweise 5 Euro an Susanne Mustermann“. Sofern zu diesem Namen eine IBAN hinterlegt ist, wird der Auftrag automatisch ausgeführt. Die Zugangsdaten für das Online-Banking bleiben dabei bei Comdirect und werden nicht an Google weitergegeben.

Sprachkommandos im Auto

Aber auch in anderen Bereichen werden intelligente Sprachassistenten zukünftig wohl zunehmend zum Alltag gehören. BMW hat im September auf der Technologie-Messe TechCrunch Disrupt in San Francisco einen eigenen Sprachassistenten mit dem Namen IPA (Intelligent Personal Assistant) vorgestellt. Er soll ab März 2019 in BMW-Fahrzeugen eingesetzt werden und sich per KI so auf die Verhaltensmuster der Fahrer einstellen können, dass er dessen Sprachkommandos richtig erkennt und umsetzt. Das System soll zudem kompatibel zu Alexa sein, das bereits seit 2016 in BMW-Modellen verfügbar ist.

Große Chancen sehen Analysten zudem für den Einsatz von Sprachassistenten auf den Websites von Unternehmen, wo derzeit mehr oder minder intelligente Chatbots Anfragen der Kunden an die richtigen Ansprechpartner weiterleiten sollen. Per Sprachsteuerung ließe sich dieser Service erheblich ausweiten und optimieren und damit die Kundenbindung erhöhen.

Alle Artikel im Überblick

Weitere Magazinartikel finden Sie hier auf einen Blick.