Homeoffice? Die zwei Seiten der Medaille

20. Januar 2021

Die Corona-Pandemie sorgte und sorgt dafür, dass mehr Arbeitnehmer denn je ihren Beruf aus den eigenen vier Wänden heraus ausüben. Eine Studie der Initiative D21 ergab, dass 2020 32 Prozent der Befragten Homeoffice nutzten. Bei den Berufstätigen mit einem Bürojob waren es gar 59 Prozent. Das wirft die Frage auf, wie wir morgen arbeiten werden. Sind wir auf dem Weg zu einer Arbeitsgesellschaft, die auf Homeoffice basiert? Welche Stärken und Schwächen bringt die Telearbeit mit sich? Wir betrachten die zwei Seiten der Medaille und äußern eine Annahme, wo sich das Arbeitsleben künftig abspielen wird.

Homeoffice

Schwächen:

  1. Entkoppelt: Nach vielen Wochen und Monaten im Corona-Homeoffice merken Arbeitnehmer, was ihnen fehlt – die Kollegen. Der kurze Plausch in der Kaffeeküche, das gemeinsame Mittagessen, das persönliche Vieraugengespräch mit der Führungskraft, das kreative und zielführende Brainstorming innerhalb einer Projektgruppe, all das ist vom heimischen Schreibtisch aus nicht oder nur deutlich eingeschränkt möglich.
  2. Kosten: Wer nahezu rund um die Uhr zuhause ist, der verursacht natürlich höhere Strom- und Heizkosten, die er allein tragen muss. Wer sich im Kollegenkreis umhört, der wird zudem feststellen, dass einige von ihnen auch ihren Internetanschluss aufgewertet haben. Ohne dass sich deren Arbeitgeber daran beteiligt hätte.
  3. Falscher Ehrgeiz: Wer sich richtig unwohl fühlt, der wird zweimal überlegen, ob er den Weg zur Arbeitsstätte auf sich nimmt. Wer allerdings nur die paar Schritte vom Schlafzimmer ins Arbeitszimmer zurücklegen muss, der ist viel eher bereit, trotz Krankheit zu arbeiten.
  4. Familienfreundlich? Wer kennt sie nicht. Die Bilder, auf denen das glückliche Baby auf dem Schoß der noch glücklicheren Mutter sitzt, während diese am Laptop ihrer Arbeit nachgeht. Die Realität sieht anders aus. Tatsächlich legen einige Studien nahe, dass die Arbeitszeiten im Homeoffice länger ausfallen als im Büro. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird nicht zwingend besser, wenn der Feierabend durch eine Firmen-Pushmitteilung unterbrochen wird und man sich dann nochmal an den Firmenlaptop setzt, der ohnehin noch an ist.
  5. Ungleichheit: Wenn von Homeoffice gesprochen wird, dann wird leicht übersehen, dass viele Arbeitnehmer davon per se ausgenommen sind. Arbeiter in der Produktion, im Handwerk, in Pflegeberufen, in der Logistik und in Verkehrsbetrieben können nicht zuhause bleiben. Eine Ungleichbehandlung, die sich nicht auflösen lässt und die für Konfliktpotenzial innerhalb einer Belegschaft sorgen könnte.

Stärken

  1. Zeitersparnis: Deutschland ist immer noch ein Pendlerland. Mehr als die Hälfte der über 40 Millionen Arbeitnehmer muss auf dem Weg zur Arbeit mindestens zehn Kilometer zurücklegen. Fast 20 Prozent aller Erwerbstätigen fahren gar über 25 Kilometer. Alles in allem verbringen etwa 11 Millionen Arbeitnehmer tagtäglich über eine Stunde auf der Straße oder der Schiene, um zur Arbeit und wieder zurück zu gelangen. Viele von ihnen könnten sich diese (Lebens)Zeit sparen, wenn sie im Homeoffice arbeiten würden.
  2. Flexibilität: Behördengänge, ein Elterngespräch in der Schule oder ein Arztbesuch; all das lässt sich im Homeoffice gut in den Arbeitstag integrieren. Viel besser jedenfalls, als wenn man die Termine so legen muss, um anschließend noch ins Büro zu fahren oder früher aufzuhören. Dann womöglich sogar auf Kosten eines halben Urlaubstages.
  3. Produktivität: „Hast Du mal kurz fünf Minuten?“ Eine Frage, die jeder kennt. Oft bleibt es natürlich nicht bei den fünf Minuten. Im Büro ereilt einen die Frage schneller als im Homeoffice, wo man für die Kollegen weniger präsent ist. Wer sich über mehrere Stunden hinweg in ein Thema vertiefen will, der findet am heimischen Arbeitsplatz viel eher die Chance dazu als im Büro, wo man schneller und regelmäßiger unterbrochen wird.
  4. Wohlgefühl: Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, sind zufriedener. Eine Umfrage mehrerer Institute ergab kürzlich, dass 90 Prozent der Befragten mit der Möglichkeit, während der Pandemie von zuhause aus zu arbeiten, „zufrieden“ oder gar „sehr zufrieden“ waren. Schon vor Corona hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt, dass Mitarbeiter, die gerne im Homeoffice arbeiten würden, es aber nicht durften, besonders unzufrieden waren. Wer als Arbeitgeber Homeoffice gestattet, der bringt seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegen, das diese in aller Regel rechtfertigen und das zu deren Motivation beiträgt.
  5. Zeitgemäß: Jetzt mal ehrlich. Wir tätigen Einkäufe über das Internet, verwalten Bankgeschäfte online und steuern die Heizung über das Smartphone. Ist es dann nicht konsequent, auch den Arbeitsalltag von remote zu erledigen? Die technischen Möglichkeiten sind längst gegeben. Die allermeisten Berufstätigen mit einem Bürojob sind zuhause genauso arbeitsfähig wie im Betrieb. Insofern ist das Homeoffice – gerade für einen Hochtechnologiestandort wie Deutschland – längst überfällig und ein Zugeständnis an die Lebenswirklichkeit.

Und nun?

Die Anzeichen mehren sich, dass Homeoffice tatsächlich zum New Normal wird, zumindest für Berufstätige mit Bürojobs. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation sowie die Deutsche Gesellschaft für Personalführung befragte im Sommer 2020 diverse Entscheider in Unternehmen. 89 Prozent von ihnen gaben an, dass der erste Lockdown in ihrem Unternehmen zu mehr Homeoffice geführt habe als zuvor, „ohne dass hieraus Nachteile für das Unternehmen“ resultierten. Zwei Drittel äußerten die Ansicht, dass ihre Führungskräfte Vorbehalte gegenüber Homeoffice abgebaut hätten. Eine Zahl, die die aktuelle IDG-Studie „Smart Workplace 2020 – Arbeiten im 21. Jahrhundert“ (s. unten) bestätigt. Demnach sagten 71 Prozent der Befragten, dass Covid-19 die Einstellung in ihrem Unternehmen „zum Thema Homeoffice zum Positiven verändert“ habe. Vielleicht auch, weil sie merkten, dass sich im Sommer 2020 zahlreiche Arbeitnehmer freiwillig wieder zurück an ihren Firmenarbeitsplatz begaben. So bleibt mit dem Blick in die Zukunft anzunehmen, dass viele Arbeitgeber ihrer Belegschaft ein grundsätzliches Recht auf Homeoffice einräumen werden. Und viele Arbeitnehmer würden dann eben beides tun: von zuhause arbeiten, wenn es passt. Und ins Büro gehen, wenn es notwendig ist oder ihnen sinnvoll erscheint.

Die „Smart Workplace 2020“-Studie von IDG Research Services

O2 Business beschäftigt sich intensiv damit, wie das Arbeitsleben zukünftig aussehen wird, und unterstützte als Partner die IDG-Studie „Smart Workplace 2020 – Arbeiten im 21. Jahrhundert“. Hier gibt es die vollständige Studie zum Download.

Alle Artikel im Überblick

Weitere Magazinartikel finden Sie hier auf einen Blick.