Wie entsteht eigentlich ein neues Tarifangebot?

08. Dezember 2020

Seit Oktober können Geschäftskunden von O2 Business Monat für Monat in Deutschland unbegrenzt mobil telefonieren, mailen, surfen und Daten verbrauchen. Was steckt alles hinter der Entwicklung eines solchen Angebots? Das fragen wir die beiden Telefónica Product Manager Matteo Ostermeier und Johannes Winkler.

Matteo Ostermeier und Johannes Winkler (Product Manager B2B)

Matteo Ostermeier und Johannes Winkler (Product Manager B2B)

Cüneyt Jacob, Vertriebsleiter Südwest, sagte zuletzt im Interview, dass das Unlimited-Portfolio bei Geschäftskunden einen Aha-Effekt auslöst. Wie entsteht eigentlich so ein neues Angebot?

Matteo Ostermeier: „Da gibt es verschiedene Impulse. Wichtig sind die Bedürfnisse der Kunden und die Berücksichtigung neuer Technologien. Beide Bestandteile sind für uns wesentliche Eckpfeiler, wenn wir ein neues Portfolio entwickeln. Bei den Business Unlimited Tarifen war 5G der technologische Impuls. Daneben haben wir Marktstudien zum Nutzerverhalten und anonymisierte Bestandsdaten hinzugezogen, um die aktuellen Kundenbedürfnisse zu erfassen. Zugleich liefern uns unser Customer Service und die Kollegen vom Vertrieb wertvolle Kunden-Insights. So identifizieren wir Lücken, die wir im Sinne der Kunden füllen. Am besten natürlich mit mindestens einem Alleinstellungsmerkmal, das die Verbraucher nur bei uns finden.“

Wo ist das bei den Unlimited-Tarifen gelungen?

Johannes Winkler: „Neben dem unbegrenzten Datenvolumen für Geschäftskunden ist das allen voran beim neuen Zonenkonzept für das Ausland der Fall. Nach dem EU-Raum, zu dem bei uns auch die Schweiz zählt, haben wir als nächstes die World Select Zone eingezogen, zu der unter anderem die USA, Kanada und China gehören. Beim Ausgestalten dieser Zone haben wir geprüft, welche Länder und Märkte für deutsche Geschäftskunden besonders wichtig sind. Dort können unsere Kunden nun mehr Volumen und attraktivere Flatrates nutzen. Also genau das, was Geschäftskunden und deren Mitarbeiter brauchen.“

Wie oft kommt es bei O2 Business überhaupt vor, dass ein neuer Tarif oder ein komplett neues Portfolio aufgelegt wird?

Matteo Ostermeier: „Wie eingangs erwähnt orientieren wir uns an der verfügbaren Technologie und an Veränderungen im Nutzerverhalten. Das führt dazu, dass wir etwa alle drei bis vier Jahre ein von Grund auf neues Portfolio an den Markt bringen. Das ist dann wie ein neues Modell bei Smartphones oder im Autobau. Innerhalb dieses Zyklus gibt es etwa alle zwei Jahre ein Facelift. Das heißt, wir verbessern anhand des Feedbacks vom Markt einzelne Positionen oder ziehen Optionen nach.“

Wann war Ihnen klar, dass die Zeit reif dafür ist, Unlimited zum New Normal zu machen?

Matteo Ostermeier: „Das war uns relativ schnell klar, als wir begonnen haben, uns mit dem Thema intensiv zu befassen. Im Festnetz gibt es ja schon länger kein Datenvolumen mehr. Unlimited lag also für den mobilen Geschäftskundenbereich auf der Hand, umso mehr, wenn man verschiedene Use Cases durchspielt.“

Johannes Winkler: „Hinzu kommt, dass wir mit unserem Free-Portfolio, das seit drei Jahren am Markt ist, mit der Drossel auf 1 MBit/s schon eine Art Unlimited Light hatten. Da war es naheliegend, den nächsten konsequenten Schritt zu machen und Unlimited als neuen Standard im Geschäftskundenmarkt zu etablieren.“

Was bedeutet es für die Technologie im Hintergrund, wenn erwartbar mehr Daten transferiert werden?

Matteo Ostermeier: „Schon durch den Ausbau unseres LTE-Netzes verbessern wir die Kapazitäten beständig. Mit dem Start unseres 5G-Netzes wird sich die Netzkapazität um das Zehnfache erhöhen. Die Bandbreite wächst dementsprechend in jeder Funkzelle. Mit den geschaffenen Kapazitäten werden unsere Kunden also bestens auskommen.“

Warum sind eigentlich die drei Unlimited-Tarife just auf 3, 10 und 300 MBit/s festgelegt?

Matteo Ostermeier: „Wir haben das Nutzerverhalten anonymisiert unter die Lupe genommen und daraus drei typische Use Cases abgeleitet. Für einen nennenswerten Teil der Kunden reicht der kleinste Tarif. Sie rufen ihre Mails mobil ab, nutzen Telefonkonferenzen und streamen ab und zu ein Video auf ihrem Endgerät. Das sind keine hohen Anforderungen an die Bandbreite. Mit einer Geschwindigkeit von 3 MBit/s sind sie gut gewappnet für den Berufsalltag.“

Johannes Winkler: „Es gibt aber auch Nutzer, die extrem viele Daten mit unterschiedlichen Geräten nutzen. Denkt man zum Beispiel an Architekten oder Unternehmensberater, die täglich große Dateien versenden und empfangen müssen. Oder an Führungskräfte, die Videokonferenzen in Ultra-HD, also in Top Qualität führen wollen. Eine große Gruppe dazwischen fährt bei ihrem bisher gezeigten Nutzungsverhalten mit bis zu 10 MBit/s am besten. Eine dritte Gruppe verbindet mehrere Endgeräte mit dem Smartphone und möchte beispielsweise Videos oder Videokonferenzen in 4K-Qualität führen. Für diese Gruppe ist eine Bandbreite über 10 MBit/s zu empfehlen.“

Und wo würdet ihr euch einordnen? Welcher Tarif wäre für euch am ehesten geeignet?

Matteo Ostermeier: „Wenn es um die berufliche Nutzung geht, dann reicht der kleine Basic-Tarif, denn wir sind nicht viel unterwegs und er lässt sich ganz bequem für Teams-Sessions nutzen. Privat sähe das schon anders aus. Wenn wir hierfür die Tarife nutzen könnten, dann würde mein Kopf vielleicht noch den Smart-Tarif, also den mittleren, wählen, mein Herz aber den Max-Tarif. Einfach, weil er so rasend schnell ist und über einige Zusatzoptionen verfügt.“

Johannes Winkler: „Ich würde ebenfalls beim Max-Tarif zugreifen, da ich mit meinem Handy des Öfteren Tethering für mehrere Geräte betreibe. Zum Beispiel Streaming von HD-Inhalten auf Netflix oder Sky mit meinem Laptop.“

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