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Internet of Things

Platz für die Zukunft: Jetzt auf die Zeit nach Abschaltung des 2G-Netzes vorbereiten

Miguel Rodriguez, Produktmanager IoT bei o2 Business

Miguel Rodriguez, Produktmanager IoT bei O2 Business

Mehr Bandbreite, längere Batterielaufzeiten und neue KI-Anwendungen verändern die Anforderungen an die IoT-Konnektivität. Deshalb wird das 2G-Netz in Deutschland schrittweise abgeschaltet. Im Interview erklärt Miguel Rodriguez, Produktmanager IoT bei O2 Business, warum die 2G-Abschaltung unvermeidlich ist, welche Rolle 5G RedCap als Nachfolger spielt und wie Unternehmen ihre IoT-Geräte rechtzeitig und ohne Betriebsunterbrechungen migrieren können.

Redaktion: Warum wird das 2G-Mobilfunknetz überhaupt abgeschaltet?


Miguel Rodriguez:
 2G hat die Mobilfunkwelt über Jahrzehnte geprägt. Die Technologie stammt aus den frühen 1990er-Jahren und stößt inzwischen an ihre Grenzen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wird die 2G-Abschaltung kaum spürbar sein, weil moderne Smartphones längst 4G und 5G nutzen.

Für Unternehmen mit IoT-Geräten, vernetzten Maschinen und Sensoren ist die Situation anders. Viele Anwendungen basieren noch auf 2G. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenraten, Reaktionszeit (Latenz), Energieeffizienz und die Nutzung von künstlicher Intelligenz sowie Automatisierung. Damit IoT-Anwendungen auch künftig leistungsfähig bleiben, benötigen wir moderne Mobilfunktechnologien wie LTE, 5G und künftig 6G.

Durch die Abschaltung des 2G-Netzes schaffen wir zusätzliches Frequenzspektrum für leistungsfähigere Mobilfunkstandards. Außerdem endet der Lebenszyklus der Technologie bei den meisten Infrastrukturherstellern. Deshalb kann 2G – darunter auch E-GPRS und EDGE – nicht mehr länger betrieben werden.

Redaktion: Wie lange war 2G dann aktiv?

Rodriguez: 2G wurde 1992 in Deutschland eingeführt. Mit dem geplanten Rückbau im zweiten Halbjahr 2028 kommt die Technologie auf eine Laufzeit von rund 36 Jahren. Das ist für einen Mobilfunkstandard außergewöhnlich lang.

Redaktion: Warum wurde 3G so viel schneller und schon vor 2G abgeschaltet?

Rodriguez: Netzwerkstrategien werden häufig durch die Bedürfnisse und die Entwicklung des Verbrauchermarktes bestimmt. Die Verbreitung von Smartphones schuf eine enorme Nachfrage nach schnellerem mobilem Internet, da Nutzer zunehmend Webseiten, Apps, soziale Medien, Fotos und Videos unterwegs nutzen wollten. Die Einführung von 4G beschleunigte das Ende von 3G, da höhere Geschwindigkeiten und geringere Latenzzeiten ein deutlich besseres mobiles Interneterlebnis ermöglichten. Das für 3G genutzte Frequenzspektrum wurde deshalb frühzeitig für LTE genutzt und wird perspektivisch für 5G benötigt.

2G hatte dagegen bis heute eine wichtige Funktion im Bereich Machine-to-Machine-Kommunikation und IoT. Viele Unternehmen nutzten das Netz weiterhin als Haupttechnologie oder Fallback-Lösung. Legacy-Dienste wie leitungsvermittelte Sprachtelefonie und SMS laufen weiterhin über die alte 2G-Architektur.

Redaktion: Wie lange werden denn 4G und 5G laufen?

Rodriguez: 5G wird die technologische Grundlage für viele zukünftige Anwendungen bilden und uns noch lange begleiten. LTE beziehungsweise 4G bleibt ebenfalls wichtig, insbesondere als Fallback-Technologie. Die 4G-Netzarchitektur wird weiterhin als Grundlage für internationales Roaming genutzt, während viele ältere 5G-Geräte auf 4G-Konnektivität als Steigbügel angewiesen sind, um eine 5G-Verbindung aufzubauen (sogenanntes Non-Standalone 5G). Aus diesem Grund wird 4G, analog 2G, voraussichtlich einen längeren Lebenszyklus haben. Im Wesentlichen wird 2G damit durch 4G als Legacy- und Fallback-Technologie ersetzt.

Langfristig müssen jedoch auch LTE-Frequenzen schrittweise für 5G und später 6G umgewidmet werden. Aus heutiger Sicht dürfte 4G in Deutschland bis weit in die späten 2030er-Jahre hinein eine bedeutende Rolle spielen.

Redaktion: Wovon hängt die Lebensdauer einer Mobilfunkgeneration ab?

Rodriguez: Vor allem von den Anforderungen der Anwendungen. Datenmengen wachsen kontinuierlich. Hinzu kommen Trends wie künstliche Intelligenz, Computer Vision, sprachbasierte Mensch-Maschine-Schnittstellen, Automatisierung und intelligente Energienetze.

Je höher die Anforderungen an Bandbreite, Latenz und Energieeffizienz werden, desto stärker steigt der Bedarf an modernen Mobilfunknetzen.

Redaktion: Hin und wieder ist schon von 6G zu lesen. Wann wird das aktuell?

Rodriguez: 6G befindet sich derzeit noch in der Definitionsphase. Erste kommerzielle Einführungen sind voraussichtlich um das Jahr 2030 zu erwarten.

Unternehmen müssen deshalb heute nicht auf 6G warten. Wichtiger ist es, auf zukunftsfähige Technologien zu setzen, die den Übergang von 2G über 5G bis hin zu 6G unterstützen.

Redaktion: Welche Rolle spielt dabei 5G RedCap?

Rodriguez: Eine sehr wichtige. Viele bisherige 2G-Anwendungen benötigen keine extrem hohen Datenraten, sondern vielmehr eine moderne, kostengünstige, energieeffiziente und langfristig verfügbare Mobilfunktechnologie.

Genau dafür wurde 5G RedCap entwickelt. Die Technologie schließt die Lücke zwischen klassischen Low Power Wide Area (LPWA) Anwendungen auf Basis von NB-IoT und LTE-M und den leistungsstärksten 5G-Diensten. Gleichzeitig ermöglicht sie neue 5G-Funktionen wie Network Slicing oder Quality on Demand (QoD). 5G ermöglicht neue Innovationen, die insbesondere auf ein verbessertes Konnektivitätserlebnis und eine höhere Servicequalität abzielen.

Für viele IoT-Anwendungen ist 5G RedCap deshalb ein idealer Nachfolger für 2G.

Migrationsoptionen für 2G/3G-IoT-Kunden und acht zentrale Überlegungen für die 2G-Migration.


Redaktion: Wie stellen sich Unternehmen am besten auf die kommende 2G-Abschaltung ein?

Rodriguez: Betroffene Unternehmen sollten jetzt mit ihrer 2G-Migration beginnen. In vielen Organisationen gibt es historisch gewachsene Infrastrukturen mit Sensoren, Maschinen, Mautsystemen, Smart-Metering-Lösungen oder Point-of-Sale-Terminals, die noch auf 2G basieren.

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme aller betroffenen IoT-Geräte. Anschließend sollte geprüft werden, welche Zieltechnologie am besten geeignet ist. Je nach Anwendungsfall kommen LTE, LTE-M, NB-IoT, 5G RedCap oder künftig Enhanced RedCap (eRedCap) infrage.

Oft sind außerdem Anpassungen an Hardware, Software oder Kommunikationsprotokollen erforderlich. Deshalb bieten wir bei O2 Business spezielle Workshops zur 2G-Migration an. Gemeinsam mit unseren Kunden analysieren unsere Experten die eingesetzten Geräte, Netztechnologien, Sicherheitsanforderungen und geeigneten Migrationspfade. Wir wollen mit unseren Kunden ins Gespräch kommen, damit ihnen der Wechsel in eine moderne IoT-Welt ohne Ausfälle und ohne unnötige Risiken gelingt.