Tarun Gupta, Mitgründer und Chief Business Officer von Skylo
Bei vielen IoT-Anwendungen endet die Konnektivität dort, wo Mobilfunknetze an ihre Grenzen stoßen. In Partnerschaft mit Skylo erweitert O2 Business die Reichweite von IoT-Lösungen durch standardisierte Satellitenkommunikation. Im Interview erklärt Tarun Gupta, Mitgründer und Chief Business Officer von Skylo, warum das Unternehmen auf geostationäre Satelliten setzt, welche Rolle die Satellitenkonnektivität in Zukunft spielen wird und welche Möglichkeiten für Geschäftskunden bereits heute zur Verfügung stehen.
Tarun Gupta: Skylo wurde 2017 mit einem klaren Ziel gegründet: Konnektivität in Gebieten bereitzustellen, in denen Mobilfunknetze keine Abdeckung bieten. Lange Zeit war Satellitenkommunikation ein Nischenmarkt. Es erforderte spezialisierte Hardware und eigene Standards und war in der Regel wirtschaftlich nur für wenige Anwendungen wirtschaftlich sinnvoll. Skylo erkannte früh, dass Satellitenkommunikation nur dann breite Akzeptanz finden kann, wenn sie Teil des bestehenden Mobilfunk-Ökosystems wird.
Dann definierte 3GPP, das internationale Standardisierungsorgan für Mobilfunk, den NB-NTN-Standard oder Narrowband Non-Terrestrial Networks.
Das ist eine Spezifikation für Satellitenkommunikation über Mobilfunknetze, die sich am etablierten Narrowband IoT in terrestrischen Netzen orientiert. Sie ermöglicht Unternehmen, kompakte IoT-Geräte einzusetzen, die dieselbe Antenne und das gleiche Modem nutzen, um über Mobilfunknetze zu kommunizieren – unabhängig davon, ob die Kommunikation über terrestrische oder Satellitennetze stattfindet.
Bei der Auswahl der Technologie haben wir uns zunächst bewusst entschieden, mit geostationären Satelliten in den Markt einzusteigen, da diese sofort für den Einsatz verfügbar sind. Ein GEO-Satellit bietet eine kontinuierliche Abdeckung mit hoher Verfügbarkeit über sehr große Flächen. Für viele IoT-Anwendungen liegt die zuverlässige Übertragung überschaubarer Informationsmengen an Priorität, nicht die maximale Datenrate. Ein Sensor auf einem abgelegenen Feld, ein Container auf See oder ein Stromzähler in einer dünn besiedelten Region – keines davon erzeugt nennenswerten Verkehr. Wichtig ist, dass die jeweiligen Nachrichten zuverlässig ankommen. Und das kann sehr effektiv und zuverlässig in einem großen Gebiet mit nur wenigen GEO-Satelliten erreicht werden. Das Netzwerk von Skylo umfasst eine Fläche von mehr als 72 Millionen Quadratkilometern in 41 Ländern weltweit. Über 20 Millionen Geräte nutzen bereits das Skylo-Netzwerk.
GEO-Satelliten befinden sich ständig am selben Punkt des Himmels, auf einer kreisförmigen Umlaufbahn über dem Äquator, wobei ihre Geschwindigkeit der Erdrotation entspricht.
LEO-Satelliten sind Nicht-Geostationäre-Satelliten (NGSO) mit einer Umlaufzeit (d.h. der Zeit, in der sie die Erde umkreisen) von 84 - 127 Minuten. Eine größere Anzahl von Satelliten bietet mehr Kapazität und Unterstützung für verschiedene Anwendungen.
Gupta: Telekommunikationsunternehmen und Satellitenbetreiber arbeiten zusammen, um ihre unterschiedlichen Stärken einzubringen. Mobilfunknetzanbieter kombinieren etablierte Kundenbeziehungen, ausgefeilte Abrechnungsinfrastruktur, ausgereifte Vertriebskanäle und jahrzehntelange Erfahrung im Management großer Kommunikationsnetze. Satellitennetze sind global, im Gegensatz zu terrestrischen Netzen, die regional oder lokal sind. Durch die Nutzung jahrzehntelanger Standardisierungsarbeit der Mobilfunkanbieter wird die Satelliteninfrastruktur nun zu einer Erweiterung des terrestrischen Netzes. Satellitenbetreiber verfügen über eine Infrastruktur im Weltraum, die mehrere Regionen und Ozeane abdecken kann und so die terrestrische Abdeckung dort erweitert, wo es wirtschaftlich nicht rentabel oder technisch nicht möglich ist, Mobilfunknetze zu installieren. Darüber hinaus werden IoT-Geräte selbst mit SIM-Karten für nationales Roaming in allen lokalen Netzwerken immer wieder einmal Abdeckungslücken erleben, was Satellitennetze zum ultimativen Rückfall- und Ergänzungs-Netzwerk macht, um eine hochzuverlässige Outdoor-Konnektivität und maximale Stabilität zu gewährleisten.
Gupta: Skylo sieht sich selbst als Brücke zwischen den beiden Welten der terrestrischen Telekommunikation und der Satellitenkommunikation. Wir betreiben keine eigenen Satelliten. Wir stellen die technische und kommerzielle Integrationsschicht bereit, die Mobilfunknetze und Satellitenkapazitäten verbindet. Dies ermöglicht es Partnern wie Telefónica Germany unter der Marke O2 Business, standardisierte Satellitenkommunikation als Erweiterung ihrer bestehenden Dienste anzubieten, ohne eigene Satelliten starten oder betreiben zu müssen – allein durch Integration von Skylo.
Das schafft Flexibilität. Kunden von O2 Business, die bereits IoT-Konnektivität nutzen, erhalten durch die Partnerschaft zwischen O2 Business und Skylo eine umfassende Außenvernetzung von einem einzigen Partner. Sie können Skylo in ihre bestehenden Prozesse und Plattformen integrieren, ohne besondere Anpassungen vornehmen zu müssen. Darüber hinaus erhalten sie weiterhin ihre IoT-Konnektivität über O2 Business und verwalten sie über die Kite Plattform von Telefónica.
Gupta: Der wichtigste Schritt war die Standardisierung. Früher waren Satellitenlösungen proprietär. Heute basiert die moderne Satelliten-IoT-Konnektivität auf denselben Mobilfunkstandards wie terrestrische Netzwerke. Deshalb arbeiten wir mit etablierten Chipsatz- und Modulanbietern wie Qualcomm, Samsung, MediaTek, Altair, Quectel und Telit sowie anderen zusammen. Dies schafft ein kompatibles Ökosystem von Komponenten, und Unternehmen profitieren von Skaleneffekten, die die Produktion kosteneffizienter machen. In manchen Fällen reicht ein Firmware-Update aus, um die Funktionen für die Satellitenkommunikation zu aktivieren.
Darüber hinaus sind moderne NB-NTN-Technologien hoch energieeffizient. Viele Sensoren und Tracker laufen jahrelang mit Batterien. Die Kombination aus niedrigem Energieverbrauch, 100 Patenten von Skylo, standardisierter Hardware und nahtloser Integration in Mobilfunknetze macht Satellitenkommunikation heute wirtschaftlich attraktiv für eine Vielzahl von Anwendungen.
Gupta: Auch heute schon können zahlreiche IoT-Anwendungen mit hybrider Mobilfunk- und Satellitenverbindung realisiert werden. Bereiche wie Logistik, Landwirtschaft, Energieversorgung und Umweltüberwachung sind besonders relevant.
Sensoren in Gebieten, die nicht so gut oder gar nicht von terrestrischen Netzen abgedeckt sind, können Daten senden und empfangen, auch wenn keine Mobilfunkabdeckung vorhanden ist. In der Landwirtschaft können Maschinen, Vieh und Umweltparameter überwacht werden. Energieversorger können Anlagen und Netzinfrastruktur weltweit verbinden.
Der Hauptvorteil besteht darin, dass es keine separaten Kommunikationsökosysteme mehr gibt, was zu Datenfragmentierung, zusätzlichen Antennen, Modems und IT-Infrastruktur sowie höheren Kosten führte. Die Satellitenverbindung wird zu einer nahtlosen Erweiterung des bestehenden Mobilfunknetzes mit genau derselben Hardware. Die verschiedenen Konnektivitätskanäle sind nahtlos miteinander integriert, sodass Kunden nicht mit unterschiedlichen, inkompatiblen Systemen und Schnittstellen arbeiten müssen. Sie profitieren von kompakterer und kostengünstigerer Hardware, weniger Datenverlust, einer zentralen Plattform zur Verwaltung ihrer Konnektivität und einer einzigen Rechnung – alles mit einer SIM-Karte von O2 Business.
Gupta: Wir befinden uns noch in einer frühen Phase der Entwicklung, die unser Verständnis der Netzwerkabdeckung grundlegend verändert. Immer mehr Chipsätze, Module und Endgeräte werden standardisierte Satellitenkommunikation unterstützen. Dadurch erweitert sich die Bandbreite der möglichen Anwendungen ständig.
Wir erwarten eine zunehmende Konvergenz von terrestrischen und nicht-terrestrischen Netzwerken. Für Nutzer wird die Frage, welche Technologie verwendet wird, immer weniger relevant. Am wichtigsten ist, dass überall Konnektivität verfügbar ist.
Gemeinsam mit Partnern wie O2 Business arbeiten wir daran, dass Konnektivität in Zukunft selbstverständlich wird – unabhängig davon, ob sich ein Gerät in einer Großstadt, auf einer Offshore-Plattform oder in einem abgelegenen Waldgebiet befindet. Das Ziel ist einfach: keine Versorgungslücken mehr bei geschäftskritischen Anwendungen.