Mobile World Congress 2018:

5G stiehlt Smartphone-Neuheiten die Show.

16. April 2018

Natürlich ist der Mobile World Congress (MWC) noch die wichtigste Handymesse – doch die ehemaligen Stars der Show in Barcelona rücken langsam aus dem Fokus der Fachöffentlichkeit. Mobilfunk, Netze und Anwendungen rücken ins Zentrum. 5G, der kommende Mobilfunkstandard, wurde auf dem MWC 2018 zum Topthema. Er verspricht die spannendsten Themen.

Top-Smartphones bestimmen die Schlagzeilen, wenn die Mobilfunkwelt zur ihrer Messe nach Barcelona einlädt. Das war auch in diesem Jahr zum Mobile World Congress nicht anders. Allen voran galt die Aufmerksamkeit den kommenden Topmodellen von Samsung, Galaxy S9 und Galaxy S9+. Beide sind selbstverständlich mit schnellem Prozessor, Top-Display und Spitzenkamera ausgestattet – mit allem, was zu einem führenden Smartphone gehört. Zwei Funktionen könnten aber speziell für Business-Kunden interessant sein, die auf den ersten Blick nach Spielerei klingen: Die Hauptkamera von S9 und S9+ ermöglicht Videoaufnahmen in Super-Slow-Motion mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde – für ein normales, flüssiges Bild reichen 25 Bilder pro Sekunde. Damit lassen sich Bewegungen verlangsamt ansehen und analysieren, deren Verständnis verbessern und etwa mögliche Fehler finden. Außerdem bieten die beiden Smartphones ab Werk einen einfachen Einstieg in die Welt der erweiterten Wirklichkeit, der Augmented Reality: Sie ermöglichen es, 3D-Grafikfiguren einfach in reale Bilder zu bringen. Es müssen also keine Hasenohren oder Hundenasen sein, die immer häufiger Fotos in Social-Media zieren, sondern können erkennbare Abbilder in klarem Comic-Stil sein. Damit lässt sich auch im professionellen Umfeld Kommunikation und Interaktion persönlicher machen, ohne dass das Aussehen der Beteiligten unmittelbar von der Tagesform oder Tageszeit abhängen…

Samsung Galaxy S9 Plus

Ein weiteres Handy hat es in die Schlagzeilen geschafft, das eher etwas für Nostalgiker ist: das Nokia 8110. Der Slider, bei dem die Tastatur aufgeschoben wird, ähnelt dem Handy, das Fans aus dem Kino-Hit „Matrix“ bekannt ist. HMD Global, der Hersteller der Nokia-Handys, bleibt damit seiner Linie treu, nicht nur Smartphones, sondern auch klassische Mobilfunktelefone auf den Markt zu bringen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mit dem Nokia 3310 anderen Herstellern deutlich modernerer Geräte die Show gestohlen.

5G wird zum Topthema

5G

Doch während die aktuellen Mobilfunkgeräte allesamt mit dem Mobilfunk­standard der vierten Generation, mit LTE, arbeiten, beschäftigten sich Aussteller und Besucher auf dem MWC 2018 insbesondere mit dem kommenden Mobilfunk­standard, mit 5G. Der chinesische Mobilfunk­ausstatter Huawei treibt mit aller Kraft die neue Technik voran. Sie wird von vielen Industrie­bereichen scheinbar schon sehnsüchtig erwartet.

 

Autonomes Fahren wird immer wieder als eine wichtige Anwendung genannt, die erst mit den neuen Mobilfunknetzen gut möglich wird: 5G senkt die Latenzzeit im Netz und damit die Reaktionszeiten in den Millisekundenbereich. Für schnell fahrende Autos ist das unerlässlich, wenn sie sicher durch den Verkehr gesteuert werden sollen. Aber auch im Telemedizinbereich kann die neue Technik neue Chancen eröffnen.

In Zusammenarbeit mit Huawei hatte Telefónica an seinem Stand einen Versuch aufgebaut, in dem die Besucher selbst ausprobieren, was es heißt, per Mobilfunk Echtzeitreaktionen möglich zu machen: In einer Testumgebung hatte das Telekommunikationsunternehmen ein 4G- und ein 5G-Netz aufgebaut, über das Virtual-Reality-Brillen miteinander verbunden wurden. Zwei Probanden setzten die Brillen auf und sahen nur durch die Projektion ihr Gegenüber. So sollten sie sich einen Ball zuwerfen und fangen. Im realen Leben mit unversperrtem Blick ist das kein Problem. Doch schon die Verzögerungen, die sich durch die Bilddatenübertragung im 4G-Netz ergeben, machen dieses Kinderspiel nahezu unmöglich. Wurden die Daten im 5G-Netz übertragen, hatten die meisten Besucher kein Problem, schnell und zielgerichtet zu reagieren und den Ball zu fangen.

Netzwerk-Slicing für unterschiedliche Anwendungen

Nicht für alle Anwendungen sind wirklich Reaktionen in Echtzeit erforderlich. Wer beispielsweise Videos per Mobilfunk anschauen will, den stört kaum, wenn er länger als Millisekunden auf den Start des Films warten muss. Mit 5G wird deshalb nach dem Willen der beteiligten Unternehmen das sogenannte Slicing zum Zuge kommen: Je nach Anwendung werden bestimmte Eigenschaften der neuen Technologie genutzt, wenn sie wirklich benötigt werden. Das Netz wird in Slice geteilt, die die erforderlichen Qualitäten bieten. Für autonomes Fahren und Telemedizin werden danach Services in Echtzeit ermöglicht, fürs Surfen, Mail-Abrufen und Videoschauen steht statt der Geschwindigkeit die Bandbreite im Vordergrund.


Doch noch wird es dauern, bis 5G Realität wird. Zwar sprechen in der IT- und Telekommunikationsbranche alle über 5G, doch bis zum kommerziellen Einsatz werden noch ein paar Jahre vergehen. Intel geht davon aus, dass etwa in der zweiten Jahreshälfte 2019 die ersten Geräte auf den Markt kommen. Doch in die Massenanwendung kann 5G erst gehen, wenn die öffentlichen Netze aufgebaut sind. Davor müssen noch die erforderlichen Frequenzen von den Regulierungsbehörden vergeben werden. Erst danach können die Mobilfunkunternehmen sinnvoll die erforderlichen Milliarden Euro in die neuen Netze investieren.

Künstliche Intelligenz ermöglicht persönliche Assistenten

Für einige Automobilhersteller ist der Mobile World Congress längst zu einem Pflichttermin geworden – nicht nur um sich über die Fortschritte bei 5G zu informieren, sondern auch um eigene Ideen für die Zukunft zu präsentieren. So gab Mercedes beispielsweise Einblick in sein Verständnis von persönlichen Assistenten, die als Alexa von Amazon, Assistant von Google oder Bixby von Samsung in manchen Bereichen bereits Furore machen. „Ask Mercedes“ ist ein virtueller Assistent, der auf dem Smartphone läuft und nicht nur den Fahrzeugstatus kontrollieren lässt, sondern auch Fragen beantworten kann. Toyota kündigte ebenfalls einen eigenen Sprachassistenten an. Es ist also damit zu rechnen, dass in überschaubarer Zeit vor allem Oberklasse- und Geschäftsfahrzeuge mit Helfern ausgeliefert werden, wie sie immer mehr Verbraucher über Smart Boxen, also intelligente Lautsprecher zu Hause kennengelernt haben. Künstliche Intelligenz (KI) gehört zu den Schlagworten, die uns in den nächsten Jahren noch intensiver beschäftigen wird. Telefónica stellte in Barcelona beispielsweise seinen KI-Assistenten Aura vor, mit dem das Unternehmen seinen Kundenservice verbessern will.

Virtuelle und erweiterte Realität öffnet den Blick in neue Welten

VR

Näher am Jetzt als 5G sind auch Anwendungen im Bereiche virtueller und erweiterter Realität, Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). VR-Systeme wie Oculus Rift und HTC Valve und die AR-Brille von Microsoft, HoloLens, schaffen Einblicke in neue Wirklichkeiten.

Sie werden bereits für Präsentationen oder Wartungsarbeiten eingesetzt. Telefónica zeigte auf dem Mobile World Congress, wie sich das Fernsehen durch VR-Brillen verändern kann – zum Beispiel durch das gemeinsame VR-Sehen mit Freunden und Familie, ohne im selben Raum sein zu müssen. Und Zeiss präsentierte eine Brille, die in der Funktion an HoloLens erinnert. Die Möglichkeit, über mobile Netzwerke auch größere Datenmengen quasi in Echtzeit zu bringen und so neue Wirklichkeiten zu schaffen, ist keine Zukunftsgeschichte mehr.

Der Mobile World Congress hat sich mittlerweile weit über den Rand des reinen Mobilfunks weiterentwickelt. Ins Zentrum rücken Anwendungen, die in ihrer Vielfalt Wirtschaft und Gesellschaft abbilden. Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, virtuelle Realitäten – diese Themen werden auch den nächsten Mobile World Congress bestimmen.

 

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