Industrieroboter sind gute Angriffsziele für Hacker

25. November 2021

Alias Robotics

IT-Sicherheit steht für viele Unternehmen weit oben auf der Agenda. Durch die zunehmende Vernetzung der Produktion und Logistik muss dabei auch der Schutz von Industrierobotern mitbedacht werden. Florian Bogenschütz, erfolgreicher Gründer und CEO des Telefónica Open Innovation Hub Wayra, weiß um die Dringlichkeit und stellt ein neues Produkt vor, von dem O2 Business Kunden profitieren.

Florian Bogenschütz, deutsche Unternehmen zählen weltweit zu den größten Abnehmern von Industrierobotern. Von wie vielen Industrierobotern dürfen wir hierzulande ausgehen?

Die International Federation of Robotics veröffentlicht jedes Jahr ein Jahrbuch. Demnach waren in Deutschland Ende 2019 über 220.000 Industrieroboter im Einsatz. Alleine 2019 kamen über 20.000 neue hinzu.

Viele Unternehmen betonen inzwischen, wie wichtig ihnen die IT-Sicherheit ist. Wie steht es um das Angriffspotenzial bei Industrierobotern?

Robotersysteme sind zunächst einmal komplex. Damit bieten sie einiges an Angriffsflächen für potenzielle Angreifer. Umso mehr, als Roboter in der Regel nicht vor Cyberangriffen geschützt sind.

Welche Angriffsszenarien sind denkbar?

Auch über Roboter können Angreifer Daten und geistiges Eigentum abfischen. Manipulieren sie zudem die Statusinformationen eines Roboters, dann täuscht er dem Bedienpersonal – etwa auf einem Display – vor, dass er die Aufgaben wie vorgegeben ausübt, selbst, wenn er dies gar nicht tut. Und sei es, dass er Schweißnähte minimal anders setzt. Womit wir dabei wären, dass die Steuerung und Kalibrierung der Roboter ein potenzielles Angriffsziel darstellen. Gerade bei Präzisionsarbeiten ist es fatal, wenn sich Roboter ungenau bewegen. Defekte oder veränderte Werkstücke wären die Folge und damit hohe Kosten. Und wenn sich etwa Schweißroboter auch noch unerwartet bewegen, dann liegt darin nicht zuletzt für Mitarbeitende eine Gefahr.

Wie lässt sich dem vorbeugen?

Indem ein Roboter genau gezeigt bekommt, was er zu tun hat. Nehmen wir an, ein Hacker will, dass ein Roboter eine bestimmte Bewegung ausführt. Dann kann eine Sicherheitssoftware den Roboter warnen und daran hindern, diese Bewegung auszuüben, da er sie nie gelernt hat.

Gibt es eine solche Sicherheitssoftware für Industrieroboter bereits?

Ja, die gibt es. Entwickelt hat sie das spanische Start-up Alias Robotics. Telefónica arbeitet seit kurzem mit dem Unternehmen zusammen, das sich rasch zu einem Vorreiter der Cybersicherheit von Robotern entwickelt hat. Seit September hat das Start-up in unserem Münchner Wayra TechLab das weltweit erste Cyber-Security-Lab für Roboter etabliert. Hier forschen wir gemeinsam an der Entwicklung weiterer Cybersicherheitslösungen.

Wie genau sieht die Kooperation von Alias Robotics mit Telefónica aus?

Telefónica investiert in Alias Robotics. Das ist sinnvoll, denn Telefónica, und damit die Marke O2 Business, ist ein Treiber der Digitalisierung von Unternehmen und Gesellschaft. Ein Beispiel ist die Einrichtung von 5G Campusnetzen. Mit ihnen lassen sich Roboter in der Produktion und im Lager eines Unternehmens vernetzen. Mit der Lösung von Alias Robotics ergänzt O2 Business nun sein Angebot für Geschäftskunden und schützt Industrieroboter wirksam vor Cyberattacken. Viele Unternehmen schätzen es schließlich, wenn sie mehrere Services aus einer Hand erhalten.

Wie hat sich ein Unternehmen die Dienstleistungen von Alias Robotics genau vorzustellen?

Kunden von O2 Business können den Cyber-Security-Service ihrem bestehenden Vertrag hinzufügen. Bevor konkrete Maßnahmen ergriffen werden, analysiert Alias Robotics zunächst das vorhandene Cyber-Security-Level der Roboter. Dabei werden Bedrohungsmodelle erfasst, Penetrationstests an ihnen durchgeführt und gezielte Angriffe simuliert. Am Ende gibt es einen Bericht, der alle Bedrohungen aufführt, denen die Roboter des Unternehmens potenziell ausgesetzt sind.

Und wie sieht die konkrete Lösung aus?

Alias Robotics schützt Roboter und deren Komponenten mit dem Robot Immune System (RIS). Die sicherheitszertifizierte Softwarelösung wird direkt im Robotersystem installiert. Eine integrierte Suite bietet eine Reihe von Schutztechnologien. Sie erkennt viele verschiedenartige Bedrohungen und wehrt sie ab. Das gelingt durch Antivirenprogramme der nächsten Generation, durch das Schließen bekannter Schwachstellen, Datenverschlüsselung sowie das Verhindern von Datenverlusten.

Kann RIS auch auf individuelle Bedrohungssituationen eingehen?

Ja. Nach der Installation des Systems auf dem Roboter führt dieser über mehrere Stunden hinweg die Aktionen aus, die er später übernimmt. RIS weiß dann, dass der Roboter nur diese Aufgaben erledigt und nichts anderes. Versucht er sich aufgrund einer Cyberattacke oder auch einer internen Manipulation anders zu verhalten, dann verhindert RIS das und der Roboter macht weiter wie vorgesehen. Zudem alarmiert er per E-Mail den für ihn im Unternehmen zuständigen Supervisor.

Und mit welchen Investitionen muss ein Unternehmen für den Cyber-Security-Service rechnen?

Die Kosten für die Analyse und die RIS-Implementation hängen letztlich vom Umfang ab und variieren damit natürlich. Der Schaden lässt sich dahingegen genau benennen. In der Automobilindustrie beziffern Hersteller den Stillstand eines Roboters etwa auf 15.000 Euro pro Minute! Aktuelle Zahlen aus den USA sprechen von 200.000 US-Dollar, die Cyberangriffe Unternehmen durchschnittlich kosten.

Warum sollte Ihres Erachtens auch der Mittelstand auf Cyber-Security setzen?

Weil der Mittelstand für Hacker ein genauso großes Angriffsziel darstellt wie große Firmen. Und wenn es zu einem erfolgreichen Hackerangriff gekommen ist, dann hat das negative Folgen. Etwa wirtschaftliche aufgrund von Produktionsausfällen. Daneben leiden die Reputation oder gar die Sicherheit der Angestellten. Alias Robotics und O2 Business setzen bei der sensiblen Industrierobotik mit RIS ein effizientes Tool ein, das Hackerangriffen vorbeugt und abwehrt.

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